Das griechische Bildungssystem

 

Das griechische Bildungssystem - Eine kurze Einführung


Das griechische Bildungssystem - Eine kurze Einführung


Eine kurze Einführung
Das griechische Bildungssystem umfasst drei aufeinander aufbauende Stufen: die Primar-, Sekundar- und Tertiärstufe. Der Schul­besuch ist in Griechenland für alle Kinder zwischen 6 und 15 Jahren ver­pflichtend; damit umfasst der Pflichtschulbereich die Primarstufe (Dimotiko) und die Sekundarstufe I (Gymnasio).
Bereits im Alter von 2,5 Jahren können die Kinder Vorschulerziehung an (priva­ten  oder öffentlichen) Einrichtungen erhalten, die Vrefonipiakoi Paidikoi Stathmi (Kinder­krippen) genannt werden. In einigen Vrefonipiakoi Stathmoi gibt es auch Nipiaka Tmimata (Vorschulunterricht), der  neben den Nipiagogeia (Kindergärten) angeboten wird.

Der Besuch von Nipiagogeia (Kinder­gärten) (ISCED 0) ist freiwillig und steht Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren offen. Er dauert ein bis zwei Jahre und wird als Vorbereitungsstufe geführt, die dazu beitragen soll, die Kinder an das Primar­schulsystem heranzuführen. Nipiagogeia ar­beiten entweder unabhängig oder teilen sich Räumlichkeiten mit den Dimotika Scholeia (Volksschulen). Die meisten Nipiagogeia werden vom Staat betrieben, aber es gibt auch private. Der Besuch eines staat­lichen Nipiagogeia ist kostenlos. Daneben gibt es auch Oloimera Nipiagogeia (Ganztagskindergärten), die längere Öffnungszeiten haben (mindestens 8 Stunden pro Tag).

Primarbereich
Bildung auf der Primarebene (ISCED 1) wird in öffentlichen oder privaten Volksschulen (Dimotiko) angeboten. Öffentliche Volksschulen gibt es im ganzen Land, sogar in entlegenen Regionen. Der Besuch einer Volksschule (Dimotiko) ist verpflichtend, dauert sechs Jahre (das entspricht sechs Schulstufen), das Eintrittsalter der Kinder liegt bei sechs Jahren.  Öffentliche Bildung und Schulbücher sind kostenlos. Daneben werden auch Ganztagsvolksschulen  (Oloimero) betrieben, die einen erweiterten Stundenplan und umfassenderen Lehrplan aufweisen.
Das grundlegende Ziel der Dimotiko (Volksschule) besteht darin, eine umfassende, harmonische und ausgewogene geistig-seelische und körperliche Entwicklung der Kinder sicherzustellen.
Daneben gibt es auch Sonderschulen und „Einführungskurse“ für Kinder mit besonderen  Bedürfnissen. Seit 1996 ist multikultureller Unterricht ein­ge­richtet, um auf die Bildungsbedürfnisse von sozialen Gruppen mit einer besonderen sozialen, kulturellen oder religiösen Identität eingehen zu können.
Die Volksschule endet mit dem Abschluss der sechsten Klasse, die Lernenden erhalten daraufhin ein Zeugnis, das über den Amtsweg an das lokale Gymnasium weitergeleitet wird, damit die Lernenden dort ihre Schulbildung fortsetzen können.

Sekundarbereich
Die Bildung auf der Sekundarebene ist in Griechenland in zwei Stufen unterteilt: die verpflichtende Sekundarebene I und die weiterführende Sekundarebene II.
Die Bildung auf Sekundarebene I (ISCED 2) wird im Gymnasio erteilt. Der Besuch eines Gymnasio dauert drei Jahre und richtet sich an 12-15 Jahre alte SchülerInnen. Der Unterricht auf dieser Stufe hat zum Ziel, die umfassende Entwicklung der Lernenden mit Schwerpunkt auf den altersbedingten Fähigkeiten und den Anforderungen ihres Lebens sicherzustellen.
Die Beurteilung erfolgt durch tägliche mündliche Tests und die allgemeine Beteiligung der SchülerInnen am Lernprozess, durch kurze schriftliche Tests, durch schriftliche unangekündigte Tests während des Schuljahres und schließlich durch schriftliche Prüfungen am Ende des Schuljahrs. Lernende, die am Ende des Schuljahres bestimmte Fächer nicht bestehen, müssen im September  zu einer Wiederholungs­prüfung antreten. Jene, die das Gymnasium verlassen, erhalten ein Abschlusszeugnis, welches sie berechtigt, ihre Bildung an  einer höheren Schule auf Sekundarebene II fortzusetzen.

Die weiterführende Sekundarebene II (ISCED 3) umfasst nach der Reform von 1997 zwei verschiedene Schultypen: das Eniaio Lykeio (das allgemein bildende Lyceum) und das  Techniko Epaggelmatiko Ekpaideftirio - TEE (die berufsbildende Schule). Der Unterricht an einem Eniaia Lykeia dauert drei Jahre und an den berufsbildenden Schulen (TEE) zwei Jahre („A-Level“) bzw. drei Jahre („B-Level“). Es besteht die Möglichkeit, dass SchülerInnen den Schultyp wechseln, wobei es zu Übergängen von einem Typ zum anderen kommt Neben den Tagessekundarschulen gibt es auch das Esperino Gymnasio (Abendgymnasium), Lykeio und TEE.
Das Bildungsministerium hat die Gesamtverantwortung für die Entwicklung und Genehmigung der Lehrpläne und ist für die Aufsicht der meisten dieser Schulen zuständig. Bei bestimmten TEE obliegt die Aufsicht dem Gesundheits- und Sozialministerium, dem Landwirtschafts­ministerium und dem Entwicklungs­ministerium. Diese TEE bieten berufsbezogenen Unterricht auf speziellen, den jeweiligen Ministerien entsprechenden Fachgebieten an. Es gibt auch private TEE.
So wie bei den normalen Schulen auf Primar- und Sekundarebene gibt es auch spezielle Vorschulen, Volksschulen und Schulen der Sekundarstufe I und II, die sich an spezielle Schülergruppen richten, ferner sind 26 interkulturelle Schulen für ausländische Lernende und „Expatriates“ eingerichtet, 232 Minderheitenschulen für SchülerInnen der muslimischen Minderheit in Thrakien und ungefähr 250 unabhängige Sonderschulen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Auf den oberen Sekundarstufen wurden gleichwertige „Pilot-Schulen“ eingerichtet, die mit den Universitäten zusammenarbeiten, so genannte Musikschulen (mit Schwerpunkt auf Musik), kirchliche Schulen (mit Schwerpunkt auf religiöser Ausbildung) und Sportinstitute (mit Schwerpunkt auf Sport).
In den staatlichen Pflicht- und weiterführenden Schulen der Sekundarstufe ist der Besuch kostenlos; auch die Schulbücher werden vom Staat gratis zur Verfügung gestellt.

Weiterführende Bildung auf der Sekundarstufe umfasst auch die Berufs­bildungsinstitute (IEK), die formale, aber nicht klassifizierte Bildungsprogramme anbieten (ISCED 4). Diese Institute sind nicht einer Bildungsstufe zugeordnet, da sie sowohl Absolventen eines Gymnasio (untere Sekundarschule) als auch Absolventen eines Lykeio (obere Sekundarschule) aufnehmen, je nachdem, welche Fachgebiete sie vermitteln.
Verglichen mit den berufsbildenden Schulen (TEE) sind die Programme der IEK berufs­orientiert und auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts zugeschnitten. Sie werden von einem Dreierteam von ExpertInnen (Vertre­terInnen des Staates, der ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen) entwickelt. Die Lernenden erhalten ein Zertifikat für Berufsbildung, welches sie berechtigt, an den abschließenden Akkreditierungs­prüfungen teil­zu­nehmen.

Tertiärbereich
Die Bildung auf Tertiärebene (ISCED 5) wird in zwei parallelen Sektoren angeboten: dem Universitätssektor und dem höheren technologischen Sektor. Bildungsgänge an Instituten des Tertiärbereichs dauern 8‑12 Semester. Die Studierenden werden entsprechend ihrem Abschneiden bei den landesweit in der dritten Klasse des Lykeio stattfindenden Prüfungen an diesen Instituten aufgenommen. Weiterführende Studien­gänge  (ISCED 6) werden auch im Tertiärbereich angeboten.

Hochschulbildung: Ziel der Hochschul­bildung ist es, ein hohes Niveau an theoretischer und umfassender Ausbildung für die zukünftigen wissenschaftlich Arbeitenden sicherzustellen. Der Hochschul­bereich umfasst die Universitäten (AEI), die Fachhochschulen, die höheren Kunstschulen und die Hellenische Fernuniversität Hellenic Open University.

Hochschulunterricht im Technologie­bereich: Die Aufgabe der Hochschulbildung im Technologiebereich, zu der die Bildungsinstitute für Technologie Technological Education Institutes (TEI) gehören, besteht darin, einen Beitrag zur Entwicklung des Landes zu leisten und auf den Gebieten der Wissenschaft und der angewandten Forschung Fortschritte zu erzielen. Der Schwerpunkt liegt auf der Übernahme und dem Transfer von wissenschaftlichem Datenmaterial in den Produktionsprozess. Die Lehrgänge sind stärker an der Praxis orientiert als Universitätslehrgänge. Zum Hochschul­unterricht im Technologie­bereich gehört auch die ASPAITE, die Höhere Schule für pädagogisch-technische Ausbildung. Die AbsolventInnen eines Master-Lehrgangs oder eines Diplomstudiums sind berechtigt, Doktoratsstudien an einer Universität zu besuchen.

Die Bildung im Tertiärbereich umfasst auch die Hellenische Fernuniversität (Hellenic Open University) und bestimmte andere nicht-universitäre Einrichtungen mit einem speziellem Zulassungssystem. Diese Einrichtungen bieten nicht klassifizierte Bildungsprogramme an; die Dauer der Curricula variiert von zwei bis vier Jahren.  Die AbsolventInnen können entweder auf dem Gebiet ihrer Spezialisierung tätig werden oder als Lehrende arbeiten, oder ihre Studien durch Prüfungen an entsprechenden Einrichtungen des Tertiärbereichs fortsetzen.

Die Hellenische Fernuniversität bietet die Möglichkeit des offenen Lernens bzw. Fern­lern­kurse an. Die Hauptaufgabe der HOU besteht darin, einem weiten Spektrum von InteressentInnen und Altersgruppen umfassendere Bildungs­möglichkeiten zu bieten und damit dem Prinzip des lebenslangen Lernens gerecht zu werden.

Höhere (nicht-universitäre) Bildung: Das höhere Bildungssystem umfasst auch ver­schiedenste Einrichtungen, die Berufsbildung auf dem Gebiet der Religion, der Kunst, des Tourismus, der Marine, der Armee und der öffentlichen Ordnung bieten. Konkret sind dies die  Höheren Kirchlichen Institute, die Handelsmarine­akademie, das Höhere Institut für Tanz und Schauspielkunst, die Höheren Bildungseinrichtungen für Tourismus, die Höheren NCO-Institute des nationalen Verteidigungsministeriums und die Polizei­akademie.

Berufliche Weiterbildung
Weiterbildung umfasst alle Aus- und Wei­terbildungsangebote, die außerhalb des for­malen  beruflichen Erstausbildungs­systems angeboten werden. Das Ziel der Weiter­bildung ist es, die berufsbezogenen Qualifi­ka­tionen der Arbeit­suchenden zu erhalten, aufzufrischen und auf den letzten Stand zu bringen und interessierte ArbeitnehmerInnen bei ihrer Karriereplanung zu unterstützen. Weiter­bildungs­programme werden in Griechenland von einer Vielzahl von Ein­richtungen angeboten, die bestimmte Bevölkerungs­gruppen an­sprechen wollen, wobei deren Aufsicht verschiedenen Ministerien obliegt. Das bestehende institutionelle Rahmenwerk in der Aus- und Weiterbildung richtet sich schwerpunktmäßig an vier Gruppen: Arbeitslose, Arbeit­nehmerInnen des privaten Sektors, Arbeit­nehmerInnen des öffentlichen Sektors im weiteren Sinn und sozial benachteiligte Gruppen.
Die Dauer der Aus- und Weiterbildungspro­gramme ist kurz, und ihre Stundenanzahl ist vom Gegenstand, den Inhalten des Lehrplans und der jeweiligen Zielgruppe abhängig. Die Programme umfassen die theoretische Ausbildung und praktische Übungs­phasen in Firmen; die Auszu­bildenden erhalten für die Dauer des Programms eine finanzielle Unterstützung.

In Griechenland sind die öffentlichen und priva­ten Aus- und Weiterbildungs­ein­richtungen unter dem Namen Aus- und Weiter­bildungs­­zentren (KEK) organisiert; sie werden vom Nationalen Zentrum für die Akkreditierung von Aus- und Weiter­bildungseinrichtungen und begleitende Unterstützungsdienste (EKEPIS) anerkannt.


Ausgewählte statistische Daten


Oberfläche in km² 131,957
Population, number of inhabitants per km² 10,934,097 / 83 (2001)
Proportion of population in towns (in %) 65.7
Population growth (in % p.a.) 0.3
GDP in million € 167,169 (market prices 2004)
GDP per capita (in  €) 15,119 (market prices 2004)
GDP growth (in %) +4.7 (constant prices 2000)
Inflation rate (in %) 3.0 (2004)
Unemployment rate (in %) 9.6 (2005)
Youth unemployment rate below the age of 25 years old (in %) 25.7 (2002)
Distribution of upper secondary level (ISCED 3) students by programme orientation (general or vocational) General: 60%
Vocational: 40%
Share of education and training expenses in the GDP (in %) 3.9 (2001)
Unemployment rates by age group and by level of qualification (2002) High (ISCED 5-6)  
25-34: 13.0%
35-44:   3.4%
Intermediate (ISCED 3-4)          
25-34: 14.0%
35-44:   8.1% 
45-54:   4.7%
Low  (ISCED 0-2)
25-34: 12.0%
35-44:   8.2%
45-54:   6.8%
55-64:   3.8%

 
 

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