Das bundesdeutsche Bildungssystem

 

Das bundesdeutsche Bildungssystem


Das bundesdeutsche Bildungssystem


Herausgeber: Sekretariat der Ständigen Konferenz des Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, Dokumentations- und Bildungsinformationsdienst, Lennéstr. 6, 53113 Bonn, Tel.: 0228 501-0.
© KMK Dezember 2006

In der Bundesrepublik Deutschland bestehen auf der Grundlage der verfassungsrechtlich garantierten Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer für das Schul- und Bildungswesen 16, sich mehr oder weniger stark unterscheidende Bildungssysteme. Durch Abstimmungs- und Vereinbarungsprozesse zwischen den einzelnen Ländern wurden und werden meist auf der Ebene der Kultusminister Rahmenvorgaben abgesprochen, die zu in ihren Grundstrukturen relativ einheitlichen Bildungssystemen führen. Der Bund als Zentralinstanz ist u. a. für die betriebliche Berufsaus- und –fortbildung, für die Ausbildung in Heil-, Erziehungs- und Pflegeberufen und für Teile der Hochschulregelungen zuständig. Es besteht für alle Kinder, die sich ständig im Staatsgebiet aufhalten und ungeachtet ihrer Nationalität, eine allgemeine Schulpflicht von neun Jahren bzw. von zehn Jahren (5 Länder) und eine sich anschließende dreijährige Teilzeitschulpflicht (Berufsschulpflicht) bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Die allgemeine Schulpflicht beginnt mit der Vollendung des sechsten Lebensjahres. Eltern können zwischen staatlichen und wenigen privaten Schulen wählen. Für den Besuch staatlicher Schulen sind keine Schulgebühren oder Lehrmittelbeiträge zu entrichten. Die deutschen Schulsysteme bieten eine Vielzahl von Bildungswegen und berücksichtigen damit die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen der Kinder und deren Eltern.

Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland gliedert sich in den Elementarbereich, den Primarbereich, den Sekundarbereich, den tertiären Bereich und den Bereich der Weiterbildung.

Elementarbereich

Im Elementarbereich werden für Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt in verschiedenen pädago-gischen Einrichtungen institutionalisierte, vorschulische Bildungsangebote bereitgehalten. Der Besuch ist freiwillig, aber alle Kinder haben ein einklagbares Recht auf einen Kindergartenplatz. In Deutschland sind Kindergärten, die die Entwicklung der Kinder zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit fördern sollen, die traditionelle Form der vorschulischen Erziehung. Fast 95% aller Kinder besuchen regelmäßig Kindergärten.

Primarbereich
Mit der Vollendung des sechsten Lebensjahres treten die nun schulpflichtigen Kinder in die für alle Schüler gemeinsame Grundschule ein, die in den meisten Bundesländern (Ausnahme Berlin, Brandenburg 6 Jahre) 4 Schuljahre umfasst. Als Einheitsschule soll sie die Schüler zu systematischen Formen des Lernens hinführen, Kinder mit unterschiedlichen individuellen Lernvoraussetzungen fördern und Grundlagen für weiterführende Bildung und das lebenslange Lernen vermitteln. Das Erlernen elementarer Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen nimmt dabei eine zentrale Stelle ein. Die für Bildungsprozesse wichtigen Lerninhalte werden meist in Fächer übergreifendem Unterricht angeboten und beziehen sich auf die Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Kunst, Musik und Sport. Der Übergang in weiterführende Schularten, die bis zum Ende der Vollzeitschulpflicht besucht werden müssen, ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Zwar treffen die Eltern grundsätzlich die Entscheidung über die weiterführende Schulart, die erzielten Schulleistungen legen jedoch weitgehend fest, welche weiterführende Schulart besucht werden kann. Die Schulen unterstützen die Eltern mit Empfehlungen und Beratungen bei ihren Entscheidungen.

Sekundarbereich

Der Sekundarbereich wird in zwei aufeinander aufbauende Stufen gegliedert. Die Bundesrepublik Deutschland ist in der Sekundarstufe I durch ein noch weitgehend durchgängiges dreigliedriges Schulsystem gekennzeichnet: Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Eine Sonderrolle haben Gesamtschulen, die unter „einem Dach" und in unterschiedlicher organisatorischer Form alle drei Schularten umfassen. Daneben gibt es in einzelnen Bundesländern noch Sonderformen wie Orientierungsstufen, Mittelschulen, Regelschulen, Integrierte Haupt- und Realschule, Werkrealschulen u. a. m.

Die Hauptschule (früher: Volksschule), die die Jahrgangsstufen 5-9 umfasst, vermittelt den Schülern eine grundlegende allgemeine Bildung in den Fächern Deutsch, Fremdsprache, Mathematik, Physik/Chemie, Biologie, Erdkunde, Geschichte, Arbeitslehre u. a. m. Um den unterschiedlichen Leistungsvermögen der Schüler besser entsprechen zu können, wird der Unterricht in den Hauptfächern nach dem Leistungsvermögen der Schüler differenziert. Absolventen der Hauptschule münden meist in eine Berufsausbildung ein, leistungsstärkere Schüler können aber auch eine weiterführende Schule vor oder nach einer Berufsausbildung besuchen.

Die Realschule umfasst in der Normalform die Jahrgangsstufen 5-10 und vermittelt den Schülern eine erweiterte allgemeine Bildung. Die Realschule ist heute die quantitativ wichtigste Schulform, und fast 40% eines Jahrganges erwerben den mittleren Bildungsabschluss. Die Realschule bereitet heute auf anspruchsvolle Berufsausbildungen vor oder ist Grundlage für den Besuch studienqualifizierender Bildungsgänge. Unterrichtet wird in den Fächern Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Erdkunde, Geschichte, Politik, Musik, Kunst, Sport und Religion. Die Schüler können entsprechend ihren individuellen Neigungen und Fähigkeiten in einem Wahlpflichtbereich bestimmte Pflichtfächer verstärken oder neue Fächer wählen.

Das Gymnasium vermittelt seinen Schülern eine vertiefte allgemeine Bildung und umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 13 (in einigen Ländern 12). Gymnasien gibt es in Normalform, die durchgehend von der fünften bis zur dreizehnten Klasse zur Hochschulreife führt, und in Aufbauform, die in der elften Jahrgangsstufe beginnt und entweder mit einem allgemeinbildenden Schwerpunkt oder berufsbezogen als berufliche Gymnasien u. a. in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Ernährung und Soziales auf die Hochschulreife vorbereiten. Am Ende der zehnten Jahrgangsstufe wird die Berechtigung zum Übergang in die Oberstufe oder mit Teilprüfungen die Mittlere Reife erworben.

Die gymnasiale Oberstufe umfasst die Jahrgangsstufen 11 bis 13 (bzw. 12) und gliedert sich nach einer einjährigen Einführungsphase in halbjährige Kurse, die an die Stelle des Klassenverbandes treten. Innerhalb bestimmter Verpflichtungen haben die Schüler auf der Grundlage des Kurssystems umfangreiche Möglichkeiten der individuellen Schwerpunktbildung. Grundkurse und Leistungskurse sind Gliederungseinheiten, doch die das Lehrangebot dem Niveau nachstrukturiert werden, wobei die Grundkurse eine grundlegende Ausbildung und die Leistungskurse eine exemplarisch vertiefte Ausbildung vermitteln. Bis zu zwei Drittel des Unterrichts finden in Grundkursen statt, und Leistungskurse dienen der Vertiefung.

In der Gesamtschule werden mehrere Schularten mit dem Ziel zusammengefasst, den Schülern einen flexiblen Übergang in Schularten zu ermöglichen, die ihren Befähigungen entsprechen. Die Gesamtschule wird in zwei Formen angeboten. In kooperativer Form fasst die Gesamtschule Hauptschule, Realschule und Gymnasium pädagogisch und organisatorisch zusammen, der Unterricht findet aber getrennt in Klassen, die auf den jeweiligen Abschluss ausgerichtet sind, statt. Bei der integrativen Form ist der Unterricht eine pädagogische und organisatorische Einheit, wird aber ab der siebten Klasse leistungsdifferenziert in Kursen und auf mindestens zwei Anspruchsebenen angeboten.

Im Anschluss an die allgemeinbildenden Schulen ergeben sich zahlreiche berufsbezogene Ausbildungsmöglichkeiten, die auf eine Berufsausbildung vorbereiten, einen schulischen Berufsabschluss vermitteln oder weiterführende allgemeine Abschlüsse vermitteln. Angesichts der vergleichsweise hohen Jugendarbeitslosigkeit hat sich das berufsbildende Bildungssystem in den letzten zwanzig Jahren erheblich ausdifferenziert, und es können eine Vielzahl von Schulen unterschieden werden. Zu unterscheiden sind dabei Vollzeitschulen, die eine tägliche Anwesenheit der Schüler erfordern und Teilzeitschulen, bei denen die Schüler nur ein oder zwei Tage anwesend sind. Zu beachten ist auch, dass die Teilzeitschulpflicht gilt. Zu den berufsvorbereitenden Schulen gehören das Berufsvorbereitungsjahr, das Berufsgrundbildungsjahr und die einjährige Berufsfachschule.

Das Berufsvorbereitungsjahr ist eine berufsschulische Schulart, die meist als einjährige Vollzeitschule geführt wird und für berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Ausbildungsverhältnis bzw. ohne Arbeitsverhältnis vorgesehen ist. Schüler erweitern ihre Allgemeinbildung, der Erwerb von Schlüsselqualifikationen wird gefördert, sie bekommen berufliches Grundwissen in bis zu drei Berufsfeldern vermittelt und erhalten Hilfestellungen bei der beruflichen Orientierung und Berufsfindung. Schüler ohne Hauptschulabschluss können unter bestimmten Bedingungen einen dem Hauptschulabschlusses entsprechenden Schulabschluss erreichen.

Das Berufsgrundbildungsjahr wird meist als 1-jährige Vollzeitschule angeboten und ist hauptsächlich für berufsschulpflichtige Jugendliche mit Hauptschulabschluss vorgesehen. Die Vollzeitschule kann ohne Ausbildungsvertrag besucht werden. Die Schüler müssen sich zu Beginn des Berufsgrundbildungsjahres für eines der zwölf Berufsfelder entscheiden. In einem Jahr vertiefen die Schüler ihre Allgemeinbildung und erwerben Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in einem Berufsfeld und erhalten dadurch eine berufliche Grundbildung. Das Berufsgrundbildungsjahr kann bei fachlicher Übereinstimmung auf eine sich anschließende Berufsausbildung angerechnet werden.

Bei den Berufsfachschulen können drei Ausrichtungen unterschieden werden: einjährige Berufsfachschulen, die der Berufsvorbereitung dienen und Teil einer Berufsausbildung im Dualen System sein können, zweijährige Berufsfachschulen mit dem Ziel des Erwerbes der Fachschulreife (entspricht der Mittleren Reife) und ein- bzw. mehrjährige Berufsfachschulen mit dem Ziel, einen eigenständigen Berufsabschluss zu erwerben.

Berufsfachschulen, die der Berufsvorbereitung dienen, wie z. B. die gewerbliche Berufsfachschule ist eine 1-jährige Vollzeitschule. Sie ist überwiegend für Jugendliche mit einem Ausbildungsverhältnis (im Handwerk) vorgesehen, die eine einheitliche, umfassende und moderne berufliche Grundausbildung erwerben sollen, die den Anforderungen der einzelnen Berufsfelder bzw. Berufsgruppen entspricht. Gleichzeitig können sie ihre Allgemeinbildung erweitern und vertiefen. Die Berufsfachschule wird in zehn Berufsfeldern angeboten.

Die zweijährige Berufsfachschule ist als Vollzeitschule in erster Linie für Jugendliche vorgesehen, die nach erfolgreichem Abschluss der neunjährigen Hauptschule die Fachschulreife erwerben wollen. Die Jugendlichen erhalten einerseits Unterricht in den berufsfeldspezifischen Fächern bzw. in den Werkstätten eine manuelle berufliche Grundausbildung im verschiedenen Bereichen (gewerblich-technisch, wirtschaftlich, sozialpädagogisch u. a. m.), andererseits können sie ihre Allgemeinbildung erweitern und vertiefen. Bei Aufnahme einer Ausbildung in derselben Fachrichtung kann nach Abschluss der Berufsfachschule ein Jahr auf die Ausbildungszeit angerechnet werden, ansonsten wird in der Regel ein halbes Jahr angerechnet. Der dem Realschulabschluss gleichwertige Bildungsstand berechtigt zur Aufnahme einer Ausbildung in einem geregelten Ausbildungsberuf sowie zum Übergang in ein- oder mehrjährige Berufskollegs und berufliche Gymnasien.

Bei dreijährigen Berufsfachschulen werden insbesondere Berufsabschlüsse in den pflegerischen und sozialpädagogischen Berufen bzw. in den Assistenten-Berufen erworben. Es werden entweder vollständig in der Schule oder im Wechsel mit betrieblichen Lernorten Berufsinhalte vermittelt. Meist ist ein Hauptschulabschluss und eine erste Berufsausbildung oder die Mittlere Reife Voraussetzung für die Berufsausbildung, die z. B. mit der Berufsbezeichnung staatl. gepr. Altenpflerger/in, Erzieher/in u. a. m. abschließt. Die Berufsfachschule vermittelt im jeweiligen Berufsfeld grundlegende und vertiefte Kenntnisse und Fertigkeiten für die Tätigkeit in Einrichtungen öffentlicher und freier Träger. Zusätzlich erweitern und vertiefen die Absolventen/innen ihre Allgemeinbildung.

Die Fachoberschulen bauen auf einem mittleren Schulabschluss auf, umfassen die Jahrgangsstufen elf und zwölf und führen zur Fachhochschulreife. Fachoberschulen gibt es für Technik, Wirtschaft, Verwaltung, Ernährung, Sozialwesen und Gestaltung. Eine fachpraktische Ausbildung findet in der Jahrgangsstufe elf statt, während in der Jahrgangsstufe zwölf überwiegend im Vollzeitunterricht in den Fächern Deutsch, Sozialkunde, Mathematik, Naturwissenschaften und den berufsbezogenen Fächern unterrichtet wird. Die Fachoberschulen sind in einigen Ländern eingerichtet worden, um Absolventen einer Berufsausbildung im dualen System den Erwerb der Hochschulreife zu ermöglichen. Sie führt in zweijährigem Vollzeitunterricht zur fachgebundenen Hochschulreife und mit einer zweiten Fremdsprache zu allgemeinen Hochschulreife. Die Aufnahme in die Berufsoberschule setzt den mittleren Schulabschluss und eine mindestens zweijährige erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung bzw. eine mindestens fünfjährige einschlägige Berufstätigkeit voraus.

Eine sehr große Bedeutung hat die Berufsausbildung im dualen System. Fast zwei Drittel der Jugendlichen absolvieren je nach Beruf eine in der Regel dreijährige qualifizierte Berufsausbildung in Wechsel der Lernorte Betrieb und Berufsschule. Ziel der Ausbildung im dualen System ist es, eine breit angelegte berufliche Grundbildung und die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit notwendigen Qualifikationen und Kompetenzen in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln. Zu Beginn der Ausbildung muss lediglich die allgemeine Schulpflicht erfüllt sein; weitere Voraussetzungen wie etwa ein formaler Schulabschluss bestehen nicht. Die Ausbildung findet auf der Grundlage eines privatrechtlichen Berufsausbildungsvertrages zwischen einem Ausbildungsbetrieb und den Jugendlichen und eines öffentlich-rechtlichen Vertrages mit der Berufsschule statt. Die Jugendlichen werden an drei bis vier Tagen im Betrieb und ein bis zu zwei Tagen in der Berufsschule ausgebildet. Die Betriebe übernehmen die Kosten der Ausbildung und zahlen dem Auszubildenden eine Ausbildungsvergütung, die in der Regel tarifvertraglich geregelt ist. Die Betriebe vermitteln auf der Basis von Ausbildungsordnungen die fachlichen und überfachlichen Qualifikationen in der betrieblichen Praxis. Die in der Berufsschule erworben Qualifikationen und Kompetenzen werden mit der Berufspraxis verknüpft und in konkreten Situationen angewandt. Die Berufschule ist im dualen System ein eigenständiger, gleichberechtigter Partner, der mit den anderen Beteiligten zusammenarbeitet. Die Berufsschule hat die Aufgabe, allgemeine und berufliche Lerninhalte unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen der Berufsausbildung zu vermitteln. Die Berufsschule vermittelt eine berufliche Grund- und Fachbildung und erweitert auf die vorher erworbene allgemeine Bildung.

In der Bundesrepublik Deutschland besteht eine Vielzahl von Schulen, an denen Berufstätige weiterführende Schulabschlüsse wie z. B. die mittlere Reife und die Hochschulreife erwerben können. Im Rahmen des zweiten Bildungsweges haben Abendgymnasien und Kollegs eine große Bedeutung erhalten. Mit diesen Institutionen ist es möglich, zunächst neben dem Beruf und dann in Vollzeitunterricht Schulabschlüsse bis zur Hochschulreife zu erwerben.

Tertiärbereich
Mit den im allgemeinbildenden Schulsystem erworbenen Schulabschlüssen, die zum Zugang zu Hochschulen berechtigen (Fachhochschulreife, fachgebundener Hochschulreife, allgemeine Hochschulreife), können in der Bundesrepublik Studiengänge an Fachhochschulen und Universitäten absolviert werden. Das deutsche Hochschulsystem besteht im Wesentlichen aus zwei Hochschularten: Fachhochschulen und Universitäten.

Universitäten sind die traditionellen Institutionen der Hochschulausbildung und umfassen an allen Standorten meist alle bekannten Studienbereiche. Etwa drei Viertel der Studenten studieren an Universitäten und erwerben Magisterabschlüsse, Diplomabschlüsse oder legen Staatsexamen ab. Universitäten haben neben der stark an der Wissenschaft orientierten Lehre einen umfassenden Forschungsauftrag, der sie auch von Fachhochschulen unterscheidet. Das Promotionsrecht ist noch weitgehend ein Privileg der Universitäten.

Fachhochschulen bestehen in der Bundesrepublik erst seit zirka 40 Jahren und dienen der wissenschaftsorientierten Ausbildung von Fachkräften auf akademischem Niveau. Fachhochschulen haben einen stärkeren Praxisbezug durch integrierte Praxissemester und der konsequenten Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung. An Fachhochschulen können in der Regel Diplom-Abschlüsse erworben werden. Die Struktur der Studiengänge ist im Vergleich zu der an Universitäten schmaler und bezieht sich meist auf in der Wirtschaft gut verwertbare Kompetenzen. Mittelfristig sollen in der Bundesrepublik 40% der Studierenden an Fachhochschulen studieren. Im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess lösen sich die unterschiedlichen Hochschulstrukturen zunehmend auf, und es findet eine stärkere Angleichung zwischen beiden Hochschultypen statt. Ab 2010 wird es in Bezug auf die akademischen Grade keine Unterschiede mehr geben: Universitäten wie auch Fachhochschulen werden dann den Bachelor- und Mastergrad nach gleichen modularisierten Studienkonzepten vergeben.

Neben den klassischen Universitäten und Fachhochschulen gibt es noch Hochschulen mit besonderen fachspezifischen Ausrichtungen wie z. B. die Pädagogischen Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen, Verwaltungshochschulen, konfessionelle Hochschulen u. a. m., die aber keine quantitative Bedeutung haben.


Eine Sonderform von Hochschulen stellen die Berufsakademien dar, die in einzelnen Bundesländern Hochschulstatus zuerkannt bekommen haben.

Eine Besonderheit in der Bundesrepublik Deutschland stellt das differenzierte, weitgehend rechtlich geregelte Fortbildungssystem dar. Auf der Grundlage verschiedener Gesetze zur Berufsbildung (Schulgesetze der Länder, Berufsbildungsgesetz, Handwerksordnung) hat sich eine Vielzahl von Fortbildungsberufen herausgebildet, die für Berufstätige mit Abschluss eine wichtige Karriereoption darstellen. Fortbildungsabschlüsse für Fachwirte, Fachkaufmann, Industrie und Handwerksmeister, Betriebswirte, Techniker und viele mehr werden von jedem achten Berufstätigen als Möglichkeit der beruflichen Fortbildung in Anspruch genommen. Die Fortbildungsberufe sind meist staatlich geregelt, unabhängig von Bildungsinstitutionen und Betrieben und erfordern eine Vorbereitung von 600 – 2.400 Stunden je nach Bildungsziel. Das Antreten zu Prüfungen von Fortbildungsberufen setzt in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine zwei bis dreijährige einschlägige Berufstätigkeit voraus. Neben den Industrie- und Handelskammern und den Handwerkskammern bieten staatliche Fachschulen entsprechende Vorbereitungslehrgänge an. Die Abschlüsse der staatlich geregelten Fortbildungsberufe ermöglichen eine Berufstätigkeit auf mittleren Fach- und Führungsebenen in Betrieben.


Berufliche Weiterbildung (quartiärer Bereich)
Der Bereich der beruflichen Weiterbildung ist in der Bundesrepublik insgesamt sehr heterogenen und umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote und Zertifikate. Es bestehen wenige Regelungen, so dass letztlich der Markt entscheidet, welche Weiterbildungsangebote auf Dauer bestehen und welche nicht marktfähig sind. Eine starke gesetzliche Durchdringung und Strukturierung der beruflichen Weiterbildung wird von den Sozialpartnern z. Z. nicht gewünscht.

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