Das Bildungssystem von England

 

Das Bildungssystem von England - Eine Kurzeinführung


Das Bildungssystem von England - Eine Kurzeinführung

Struktur


In England und Wales besteht für alle Kinder, die sich ständig im Land aufhalten, ungeachtet ihrer Nationalität, eine allgemeine Schulpflicht von elf Jahren. Es besteht die Möglichkeit, zwischen privaten (im Allgemeinen „Independent Schools“ genannt) und staatlichen Schulen zu wählen, wobei für staatliche Schulen keine Schulgebühren zu entrichten sind. Die Pflichtschulbildung ist in England und Wales in vier Hauptabschnitte unterteilt. Abschnitt 1 erstreckt sich bis zum 7. Lebensjahr, Abschnitt 2 reicht von 7 bis 11 Jahren, Abschnitt 3 von 11 bis 14 und Abschnitt 4 von 14 bis 16. Es besteht ebenso die Möglichkeit, dass Kinder zu Hause Unterricht erhalten.  Eltern, die sich dafür entscheiden, müssen um eine Bewilligung ansuchen.

Primarbereich
Die allgemeine Schulpflicht beginnt mit der Volksschule (oder einer Sonderschule). Der Primarschulunterricht umfasst die ersten 2 Hauptabschnitte und dauert bis zum 11. Lebensjahr. Kinder müssen mit dem Pflicht­schulunterricht an einem vorgegebenen Tag nach Vollendung ihres fünften Lebensjahres beginnen. Diese Daten werden vom zuständigen Minister und der Nationalversammlung von Wales festgesetzt und sind für gewöhnlich der 31. August, 31. Dezember und 31. März. Sobald ein Kind das schulpflichtige Alter erreicht hat, muss es mit Beginn des neuen Trimesters in die Schule eintreten. Die meisten Kinder beginnen jedoch bereits zwischen ihrem vierten und fünften Lebensjahr mit dem Schulbesuch. Die Volks­schulen müssen einen ausgewogenen und breit gefächerten Lehrplan anbieten, der dem Alter, den Fähigkeiten, Neigungen und allfälligen besonderen Bedürfnissen des Kindes gerecht wird. Das Bildungsgesetz aus dem Jahre 2002 definiert einen solchen Lehrplan als jenen, der die geistige, moralische, kulturelle, psychische und physische Entwicklung der SchülerInnen in der Schule und Gesellschaft fördert. Er muss derart gestaltet sein, dass die SchülerInnen gleichermaßen auf die Möglichkeiten, Verantwortlichkeiten und Er­fahrungen ihres späteren Lebens vorbereitet werden. In den ersten Jahren der Primarstufe gibt es keinen oder kaum fächerspezifischen Unterricht, und es wird großer Wert auf das Erlernen der Kulturtechniken gelegt. Sonderschulen dienen der Förderung und Erziehung geistig oder körperlich benachteiligter Kinder, die dem Unterricht in Primar- oder Sekundarschulen nicht folgen können, und sollen sie auf die Eingliederung in die Arbeitswelt vorbereiten.

Sekundarbereich
Die Schulbildung im Sekundarbereich ist in England und Wales in zwei Hauptabschnitte unterteilt. Abschnitt 3 umfasst SchülerInnen zwischen 11 und 14 Jahren. Abschnitt 4 richtet sich an SchülerInnen zwischen dem 14. and 16. Lebensjahr.


Alle staatlichen Schulen in England und Wales müssen den SchülerInnen Allgemeinbildung vermitteln, so wie im Nationalen Lehrplan („National Curriculum“, NL) vorgesehen. Der NL ist der Rahmenlehrplan, den die einzelnen Schulen bei der Entwicklung ihres eigenen Lehrplans berücksichtigen müssen. Der NL legt zwar fest, welche Fächer unterrichtet werden müssen, nicht aber die Zuordnung der Stunden pro Gegenstand.

In England sieht Abschnitt 4 eine Verringerung der zu unterrichtenden Pflichtgegenstände vor, und den SchülerInnen müssen in einem gewissen Ausmaß praxisbezogene Lerneinheiten geboten werden. In Wales verlangt Abschnitt 4 von allen SchülerInnen den Besuch eines praxisbezogenen Unterrichts, dessen Lehrplan von der Nationalversammlung von Wales genehmigt wird.

Die SchülerInnen bereiten sich auf das „General Certificate of Secondary Education (GCSE)“ am Ende des Abschnitts 4 (im Alter von 16 Jahren) vor. Die „GCSE-Prüfungen“ erfolgen fächerweise, und die Beurteilung der Prüfungen erfolgt durch eine unabhängige Prüfungskommission. Die SchülerInnen wählen meist bis zu zehn verschiedenen Gegenstände für die „GCSE-Prüfungen“, einschließlich Mathematik und Englisch. Es ist nicht festgelegt, wie viele „GCSE-Prüfungen“ abgelegt werden müssen bzw. können. Diese Prüfungen werden mit den Notenstufen A*, A, B, C, D, E, F und G beurteilt, wobei A* die höchste Note darstellt. SchülerInnen, die die Notenstufe G nicht erreichen, werden mit U für „unclassified“ („nicht bestanden“) bewertet und erhalten kein Zeugnis. Bei der GCSE-Abschlussbewertung können die im Laufe der letzten zwei Jahre im Unterricht erbrachten Leistungen gemeinsam mit den Prüfungen berücksichtigt werden. Der Anteil der Noten, die für die Leistungen im Unterricht vergeben werden, ist nicht für alle Gegenstände gleich. Seit kurzem gibt es die Möglichkeit, die „GCSE-Prüfungen“ in acht berufsbezogenen Gegenständen abzulegen (angewandte Kunst und Wirtschaft, Betriebs­wirtschaft, Maschinenbau, Gesundheit und soziale Dienste, angewandte IKT, Tourismus und Freizeitwirtschaft, Fertigung und angewandte Naturwissenschaft). Derzeit erwägt man die Einführung neuer berufsbezogener „GCSE-Fächer“ sowie möglicherweise deren Hinzufügung auf diese Liste. Ein berufsbezogener GCSE-Abschluss entspricht hinsichtlich Umfang und Anforderungen zwei allgemein bildenden GCSE-Abschlüssen.

Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Schultypen, die in dieser Bildungsphase gewählt werden können. Diese sind: Gesamtschulen, Gymnasien, „Specialist Schools“, „City Technology Colleges“ und „Academies“.

Am meisten verbreitet ist die Gesamtschule („Comprehensive School“), die von 90 % der SchülerInnen besucht wird. In Gesamtschulen gibt es keinerlei Auswahlverfahren, sie nehmen SchülerInnen ungeachtet ihrer Fähigkeiten auf.
Gymnasien („Grammar Schools“) hingegen berücksichtigen bei der Auswahl ihrer SchülerInnen sehr wohl deren Fähigkeiten. Es gibt 164 Gymnasien in England. BewerberInnen für die Aufnahme an einem Gymnasium müssen für gewöhnlich eine Aufnahmeprüfung ablegen.


Die „Specialist Schools“ bieten den gesamten Nationalen Lehrplan sowie eine breit gefächerte und ausgewogene Ausbildung und sind gleichzeitig auf ein bestimmtes Gebiet des Lehr­plans spezialisiert. Es gibt zehn derartige Fach­gebiete: Kunst, Wirtschaft und Unternehmertum, Technik, Geisteswissenschaften (Geschichte, Geografie oder Englisch), Sprachen, Mathematik und Informatik, Musik, Naturwissenschaften, Sport sowie Technologie. Die Schulen können jeweils zwei dieser Gebiete miteinander kombinieren und müssen ihre Spezialisierung alle vier Jahre erneuern. Die „Specialist Schools“ können bis zu 10 % ihrer SchülerInnen gemäß deren Fähigkeiten auswählen, und sie müssen ein gewisses Ausmaß an externen Fördergeldern erhalten. Mehr als die Hälfte aller Sekundar­schulen haben den Status einer „Specialist School“. Das „Specialist School-Programm“ gilt nur für England.

Die Schultypen „City Technology Colleges“ und „City Technology Colleges for the Technology of Arts“ bestehen nur in England. Sie sind öffentlich finanzierte Privatschulen. Diese Schulen sind im Eigentum von SponsorInnen oder FördererInnen, die einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Schule leisten müssen und die Schule auch verwalten. Weitere Auflagen sind: Sie müssen sich auf städtischem Gebiet befinden, sie dürfen keine Schulgebühren verlangen, sie müssen SchülerInnen, die in diesem Gebiet leben,  Bildung auf verschiedenen Niveaus bieten, und sie müssen einen breiten Lehrplan mit Schwerpunkt auf Naturwissenschaft und Technik oder der Anwendung der Technik in den kreativen und darstellenden Künsten aufweisen.

Die „Academies“ werden von SponsorInnen aus der Wirtschaft, aus Religionsgemeinschaften oder freiwilligen Gruppen, die mit PartnerInnen aus den örtlichen Gemeinden zusammenarbeiten, eingerichtet. Diese „Academies“ dürfen nur in benachteiligten Gebieten errichtet werden, sie müssen Bildung für SchülerInnen mit unterschiedlichen Fähigleiten aus diesem Gebiet bieten, sie müssen einen breit gefächerten und ausgewogenen Lehrplan mit Schwerpunkt auf einem bestimmten Gebiet des Lehrplans bieten und sie dürfen keine Schulgebühren verlangen.

Eine weitere Option auf Sekundarebene sind Privatschulen. Privatschulen oder „Private Schools“ werden oft auch „Independent Schools“ genannt. Die meisten Privatschulen erhalten sich aus privater Hand und beziehen den Großteil ihrer Einnahmen aus Schulgebühren. Einige erhalten auch Schenkungen und Unterstützungen von StifterInnen. Einige Privatschulen auf Sekundarebene haben eine besonders lange Tradition und sind kurz als „Private Schools“ bekannt.
In einigen Gebieten besteht ein System aus „Middle School“ („Mittelschule“) und „Upper School“ („Oberschule“) anstelle der Kombination aus Primar- und Gesamtschule. Bei diesem System verlassen die SchülerInnnen die erste Schule mit acht oder neun Jahren und besuchen anschließend eine „Middle School“. Die SchülerInnen besuchen diese „Middle School“ bis zum zwölften oder dreizehnten Lebensjahr und wechseln dann in eine „Upper School“ über.


Bildung auf Sekundarstufe II
In England und Wales wird weiterführende Vollzeitschulbildung in der „Sixth Form“ (Oberstufe) vieler Sekundarschulen angeboten. Es sind keine offiziellen Abschlüsse für den Besuch einer „Sixth Form“ einer Sekundarschule notwendig, die Schulen bestimmen für gewöhnlich ihre eigenen Aufnahmekriterien selbst.
Prüfungen für den Abschluss „General Certificate of Education Advanced Levels“ („GCE A-Levels“) werden fächerweise angeboten, können in jeder Kombination abgelegt werden und stellen für die Mehrzahl der AbsolventInnen den Zugang zur Hochschulbildung dar. Die Struktur der „GCE A-Levels“ wurde kürzlich reformiert. Als Ergebnis der Überarbeitung gibt es bei den A-Levels jetzt ein neues System von AS bzw. A2-Levels. Um einen vollständigen A-Level zu erlangen, müssen die SchülerInnen drei AS-Einheiten („Advanced Subsidiary“) und drei A2-Einheiten absolvieren. Im ersten Jahr des weiterführenden Unterrichts können die SchülerInnen bis zu fünf verschiedene Fächer wählen, wobei jedes aus drei Einheiten besteht, und AS-Prüfungen in jedem Gegenstand ablegen. Nachdem die SchülerInnen einen Gegenstand ein Jahr lang belegt haben, können sie entweder über diesen Gegenstand eine Prüfung auf AS-Niveau ablegen und so einen anerkannten Abschluss erhalten oder die Schule fortsetzen und das A2-Jahr absolvieren, das nach erfolgreicher Beendigung zu einem A-Level führt.
A-Levels kann man in 80 Gegenständen ablegen, von denen 14 VCEs („Vocational Certificates of Education“) sind.

Bestandene „GCE A-Level-“ und „GCE AS“-Prüfungen werden auf einer Skala von A bis E bewertet. Die Notenstufe „U“ bedeutet „Nicht bestanden“.

Das „VCE“ („Vocational Certificate of Education“) wurde ebenso reformiert und an die neue Struktur der A-Levels angepasst. Die „VCEs“ sind ebenso in AS und A2 gegliedert. Die Abschlüsse werden „GCE A levels in Applied Subjects“ genannt. Diese Abschlüsse bieten eine breite Einführung in ein Berufsgebiet. Gemäß dieser Struktur kann man vier verschiedene Abschlüsse erwerben:

Das „Advanced Subsidiary General Certificate of Education“: Dafür werden drei AS-Einheiten benötigt, und es wird mit den Notenstufen A-E bewertet.

Das „Advanced Subsidiary General Certificate of Education (double award)“: Dieses erfordert sechs AS-Einheiten, und es wird mit AA, AB-EE bewertet.

Das „Advanced General Certificate of Education“: Dafür sind für gewöhnlich drei AS- und drei A2-Einheiten erforderlich, und die Notenstufen reichen von A-E.

Das „Advanced General Certificate of Education (double award)“: Dieses erfordert sechs AS-Einheiten und sechs A2-Einheiten, und es wird mit AA, AB-EE bewertet.


Die „Advanced Extension Awards (AEA)“ gibt es seit 2002. Den AEA-Abschuss gibt es für SchülerInnen, die bei den A-Levels voraussichtlich mit A bewertet werden. Die „AEA“ bieten den SchülerInnen die Möglichkeit, für ein Fach tieferes Verständnis als für einen A-Level gefordert unter Beweis zu stellen, aber sie basieren auf dem Lehrplan des jeweiligen Gegenstands. AEA-Abschlüsse kann man derzeit in 19 Gegenständen ablegen, und sie sind für den Universitätszugang anerkannt.

Weiterführende Vollzeit- und Teilzeitbildung wird an „Further Education Colleges“ und „Sixth Form Colleges“ geboten.

Berufsausbildung
Eine Lehre ist ein praxisorientiertes Ausbildungsprogramm für Jugendliche. Jugendliche erhalten einen Lohn und die Möglichkeit, einen neuen Abschluss zu erwerben. Derzeit absolvieren mehr als 255.000 Jugendliche eine Lehre in mehr als 150 verschiedenen Berufsgebieten. Eine Lehre kann, je nach Beruf, zwischen einem und fünf Jahren dauern. Die erfolgreichen LehrabsolventInnen verlassen die Ausbildung mit praktischen Erfahrungen, dem Abschluss „National Vocational Qualification (NVQ)“ auf Level 2, sowie zusätzlichen für den gewählten Beruf erforderlichen Qualifikationen.
Die Lehrausbildung steht allen in England lebenden Personen zwischen 16 und 24 Jahren offen.   
Erwachsenenbildung
Sowohl in England als auch in Wales wird die Erwachsenenbildung als bedeutende Phase im Bildungssystem angesehen. In der Erwachsenenbildung gibt es sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitangebote. Erwachsenenbildung wird z.B. an „Further Education Colleges“ geboten. Diese „Further Education Colleges“ haben seit jeher berufsbezogenen Kurse in ihrem Programm, aber sie bieten auch vermehrt allgemein bildende Abschlüsse.

 

Fläche in km²   244.820
BIP in Milliarden €   $2,275 trillion
BIP pro Kopf (in  €)   $30.900
BIP-Wachstum (in %)   1,8 %
Inflationsrate (in %)   2,2 %
Arbeitslosenrate (Eurostat)   5,1 % (2005)  (1,54 Millionen)
Jugendarbeitslosigkeit, Personen unter 25 Jahren in der Altersgruppe (in %)   11,8 %
 
TOP